„um den Gotzinger Platz“ – eine neue Mitte für München-Sendling

Der Bereich um den Gotzinger Platz in München-Sendling ist eine Sondersituation in der Stadtentwicklung Münchens. In den Planungen zur Stadterweiterung (nach dem Stadterweiterungs- wettbewerb von 1892) war in diesem Bereich eine Platzanlage (Platz XIV im Wettbewerbsbeitrag von Karl Henrici) als Stadtteilzentrum für den Stadtteil München-Sendling vorgesehen. In den weiteren Planungen von Theodor Fischer, der als Leiter des damals neu gegründeten Stadterweiterungsbüros die Weiter- entwicklung der Wettbewerbsbeiträge vornahm und diese gemeinsam mit der Verwaltung und dem Stadtrat Münchens bis 1899 zum General-Baulinienplan Münchens planerisch fortführte, war auch an ähnlicher Stelle eine Platzanlage mit Zentrumsfunktion und hoher baulicher Dichte vorgesehen.

Doch bereits im Staffelbauplan von 1904 erkennt man, dass die beabsichtigte Planung eines neuen Stadtquartiers und die weitere Ausdehnung als Stadtteil durch den Bau und Betrieb der neuen Großmarkthalle seit der Jahrhundertwende verhindert wurde. So ist seit über 100 Jahren das Quartier um den Gotzinger Platz unvollständig und München-Sendling fehlt bis heute die damals projektierte Mitte.

Nach längeren Planungsüberlegungen wurde Anfang 2020 im Münchner Rathaus ein neues Konzept für den Neubau der Großmarkthalle in Sendling vorgestellt. Die Idee dazu stammt von der UGM GbR (Umschlagzentrum Großmarkt in München GbR) und wurde von Teilen der Großmarkthändler mitentwickelt. Das Konzept sieht einen alternativen und verdichteten Standort auf dem süd-östlichen Teil des Großmarktgeländes vor, gegenüber dem Heizkraftwerk München-Süd, das momentan zu einem Geothermie-Kraftwerk, direkt an den Isarauen umgebaut wird. Der neue Vorschlag fand sowohl bei Händlern, Mietern, Gärtnern, Politikern und auch der Presse großen Anklang.

Und so schreibt die Süddeutsche Zeitung aktuell: „Das Konzept sei ‚unisono begrüßt‘ worden.“ Gelobt wurde an dem neuen Konzept vor allem das Ermöglichen von neuem Wohnraum in begehrter Lage, direkt am Großmarktareal in Sendling: „Während die bisherige städtische Planung einen 500-Meter-Bau entlang der Schäftlarnstraße vorsieht, der europaweit ausgeschrieben werden müsste, konzentriert sich das neue Konzept auf den südlichen Teil am Heizkraftwerk. Weitere sieben Hektar Grund könnten wohl somit für andere Nutzungen wie Wohnungsbau eingespart werden. … Die Planungen eröffnen völlig neue Möglichkeiten, das alte Großmarktareal einer Nutzung in bester Lage für Wohnen, Gewerbe, Freizeit, Infrastruktur, Kultur und Soziales zuzuführen.“

Der Entwurf der Diplomarbeit/ Master-Thesis soll damit auch dem Wunsch des Bezirksausschusses folgen, das Viertel für „mindestens die nächsten 100 Jahre“ so urban und vielfältig zu prägen wie die alte Großmarkthalle. Während die über 100-jährige Tradition und gewachsenen Strukturen des Großmarktes – vom Erzeuger in Südeuropa bis zum Lieferanten – an seinem ursprünglichem Standort fortgesetzt werden können, werden Lärmemissionen durch die Einhausung des Verkehrs und der Überdeckelung des LKW-Parkplatzes mit dem modernen Bau vermieden.

Auf Grund dieser neuen Situation möchte der Stadtrat der Landeshauptstadt München einen Aufstellungsbeschluss fassen und neben der Großmarkthalle auch die freiwerdenden Areale städtebaulich entwickeln. Dieser Beschluss umfasst die Bereiche in denen die Großmarktnutzungen abgebrochen werden sollen und wieder große, zusammenhängende Flächen auf dem Großmarktareal entstehen können. Dabei bleiben u.a. auch die denkmalgeschützte vier-schiffige Großmarkthalle, das Gaststättengebäude mit Verwaltung und das Kontor-Haus bestehen (s. Kartierung Denkmalschutz).

Für die Aufgabenstellung der Master-Thesis/ Diplomarbeit gehen wir noch einen Schritt weiter. Nicht nur die Flächen auf dem Areal der Großmarkthalle, sondern auch die Flächen westlich davon – um den Gotzinger Platz – bilden den Mittelpunkt der städtebaulichen Entwicklung, von dem aus, das frei werdende Areal als „neue Mitte Sendling“ entwickelt werden soll. Dazu treffen wir die Annahme, dass die frei werdende, denkmalgeschützte Großmarkthalle einer kulturellen Nutzung (Theater/ Konzerthalle/ Museum o.ä.) bei unverändertem Baukörper zugeführt wird.

Auch das kleine nicht denkmalgeschützte „Klo-Häuschen“, das schon bisher eine Kultureinrichtung/ Ausstellungsraum ist, sowie die eingeschossige Gemüsesortieranlage sollen als identitätsstiftende Gebäude erhalten und in das neue Konzept eingebunden werden. Durch den Entfall der abgrenzenden Mauern und Zäune des bisherigen Großmarktgeländes im westlichen Bereich und die jetzt bestehende Möglichkeit der Entsiegelung großer Flächen kann nun, im direkten Anschluss an die bestehende Bebauung, ein lebendiges, urbanes, grünes, gemischtes und räumlich definiertes Stadtquartier entstehen, das die vorhandene, geschützte und identitätsstiftende Bebauung integriert und aufwertet. Die Gaststätte der Großmarkthalle müsste dann z.B. ihren Wirtsgarten nicht mehr neben einem Parkplatz haben und die Blockränder, die bisher nur als Fragmente erfahrbar sind (und zudem diese Baulücken als Parkplätze genutzt werden), würden neuen Raum für Wohnen und Arbeiten ermöglichen und als Raumkanten Stadtraum bilden.

Vom Gotzinger Platz aus, der mit Kirche und Schule als öffentlicher Platz mit zentralen Funktionen bereits in den Grundzügen angelegt ist, soll das Straßenraumgefüge erweitert, räumlich geschlossen und (neu) definiert werden. Dabei ist auf die bestehende Bebauung Rücksicht zu nehmen, die als einzelne Fragmente städtischer Blöcke (analog des Bauliniengefüges) bisher realisiert wurden. Bei der neuen Entwicklung kann im Rahmen der Aufgabenstellung das Kontor-Haus an der Kochelseestraße bei Bedarf abgebrochen werden, z.B. wenn das Straßengefüge um den Gotzinger Platz im Entwurf neu entwickelt werden soll.

Das städtebauliche Entwurfsperimeter der Aufgabenstellung umfasst den Bereich westlich des Gotzinger Platzes bis östlich der momentan noch internen Erschließungsstraße auf dem Großmarktgelände (parallel zur Schäftlarnstraße), im Süden die Brudermühlstraße und im Norden die Bahnlinie, die das Areal vom ehemaligen Viehhofgelände trennt, das über eine Unterführung westlich des Großmarktareals angebunden ist.

Ob die Erweiterung des Quartiers den damaligen stadtbaukünstlerischen Überlegungen von Karl Henrici und Theodor Fischer folgt oder ob eine andere städtebaulich-räumliche Strategie den städtebaulichen Entwurf bestimmt, bleibt dem eigenen Entwurf überlassen.

Da der Bereich der neuen Großmarkthalle (Entwurf Henn Architekten/ UGM) und die Nutzungen nördlich davon momentan für die Entwicklung nicht zur Verfügung stehen, sollen die angrenzenden zukünftigen Anschlussmöglichkeiten an diesen Bereich lediglich vordefiniert werden.

Gleichwertig neben der städtebaulichen Gesamtentwicklung (darzustellen als Schwarzplan und Rahmenplan, städtebauliches Modell, städtebauliche Perspektiven) soll der Gotzinger Platz als zentraler Platz und „neue Mitte“ gestärkt werden. Dazu soll ein in der Nutzung frei gewähltes, jedoch öffentliches Gebäude (z.B. städtisches Verwaltungsgebäude, Amtsgebäude, Polizeistation, Kirche, Moschee, Museum, Theater, Schule etc.) oder ein städtebaulich relevantes Gebäude/ Gebäudeensemble mit selbst gewählter Nutzung/ Nutzungsmix (z.B. Kontor-Haus etc.) entworfen werden und als Hochbauprojekt im Realisierungsteil der Aufgabenstellung vollständig in der konkreten Situation am Platz dargestellt werden (Lageplan, Grundrisse, Ansichten, Schnitte, Dachaufsicht, Innenraumperspektive, Modell).

Einführung
Termin: 28.02.2020, 13:30
Ort: Gebäude 1, Raum 1-006

Organisation
über OLAT
Das Kurspasswort wird beim Einführungstermin bekannt gegeben.